Aktuelles aus dem Blog:

Zum Blog

Ausgewählte Blog-Beiträge

Stimmt vielleicht mit Ihrer Einstellung etwas nicht?


Mein letzter Artikel ist schon eine Weile her.
Der Grund dafür ist simpel: Ich hatte keine Lust.
Genauer gesagt: Ich hatte keine Lust, irgendwas zu erzählen, das mir selbst nicht wichtig genug war. Und stellen Sie sich vor, es gab nichts, das ich aus den Tiefen meines Herzens mitteilen wollte.
Heute ist das anders. Ich habe ein Thema, das mir am Herzen liegt. Weil es ein Thema ist, mit dem viel zu viel Unfug getrieben wird.

Konkret geht es um Ihre Einstellung. Ja genau, um Ihre Einstellung. Zu was? Na, zum Leben, zu Ihrer Arbeit, zu Ihrer Beziehung, zu Ihrer Familie. Zur Politik. Zur Gesellschaft. Zu allem möglichen.
Wesentlich ist dabei, dass mit Ihrer Einstellung irgendwas nicht stimmt.
Zumindest sind sicher einige Menschen dieser Meinung.
Vermutlich sind Sie ja auch dieser Meinung - was die Einstellungen gewisser anderer Personen betrifft.

Ich selbst habe schon öfter die Einstellung anderer zur Ursache eines Problems erklärt.
Gerne auch im beruflichen Umfeld. Beispielsweise als Berater oder Coach.
Heute mache ich sowas nicht mehr. Heute würde ich sogar sagen, Sie erkennen schlechte Berater (Coaches, Vorgesetzte, Eltern, Freunde, Experten …) am einfachsten daran, dass diese Ihnen nahe legen, etwas an Ihrer Einstellung zu verändern.
Wer nämlich glaubt, dass die Lösung eines Problems im Ändern einer Einstellung liegt, hat das Problem noch nicht mal im Ansatz verstanden.

Glauben Sie nicht?
Dann habe ich eine Bitte: Erklären Sie mir, was das ist - eine Einstellung.

Ich meine das ernst.
Probieren Sie es doch mal mit sich selbst aus. Erklären Sie sich selbst, was eine Einstellung ist und seien Sie kritisch dabei.
Na los, machen Sie schon: „Also eine Einstellung, das ist … „
Ich wette, Sie schaffen es nicht, eine sinnvolle Beschreibung zu formulieren, die Sie nicht gleich mit ein paar einfachen Gegenfragen komplett zerbröseln.

Aber nehmen wir an, Sie würden das sogar noch hinkriegen.
Was machen Sie denn dann, mit dieser Einstellung? Die muss sich ja verändern.

Jemand hat also beispielsweise eine Einstellung (was auch immer das für Sie sein mag) zu Themen wie Atomkraftwerken, Frauenquoten, Schulsystemen, Bankenrettung, Christentum, Nichtrauchergesetzen. Nun kommt jemand daher und meint: ‚Sie sollten diese Einstellung ändern.‘
Es ist vermutlich eine völlig absurde Idee jetzt anzunehmen, dass Sie dem zustimmen würden.
Aber selbst wenn: Wie bitte soll so etwas funktionieren?
Eine Einstellung zu ändern, das klingt danach, als müsste man ja nur irgendwo in sich drinnen einen Schalter umlegen. Blos wo?

Lange Rede, kurzer Sinn: Jemanden dazu aufzufordern, seine oder ihre Einstellung zu ändern ist so sinnvoll wie jemanden dazu aufzufordern, an die Decke zu springen: Die Person wird keine Lust dazu haben und selbst wenn, wird sie keine Ahnung haben, wie sie das anstellen soll.

Und dafür gibt es einen einfachen Grund: So etwas wie eine ‚Einstellung‘ gibt es nicht.
Es ist ein künstlicher Begriff ohne Substanz, der verschleiern soll, dass jemand gerade keine Ahnung hat, was genau er meint und will.

Das ist zweifach problematisch.

  • Erstens entsteht damit eine Scheinlösung: Das Problem ist die Einstellung der anderen Person und wenn diese sich ändert, wird das Problem verschwinden. Grober Unfug. Das wirkliche Problem wird dabei wunderbar ausgeblendet und hat fortan seine Ruhe vor etwaigen Lösungsversuchen.
  • Zweitens wird damit sofort die Schuldfrage geklärt und auf ein einzelnes Paar Schultern verteilt: ‚Deine Einstellung ist das Problem - Du musst diese ändern, ich habe damit nichts zu tun.‘ Das ist mehr als Unfug, das ist soziale Körperverletzung.

Wenn Sie also das nächste Mal die Einstellung einer anderen Person und den Wunsch nach Veränderung derselben ansprechen wollen: Beißen Sie sich auf die Zunge!
Nennen Sie stattdessen das Kind beim Namen. Werden Sie sich klar, was Sie konkret stört und drücken Sie das auch so aus:

  • Wenn Ihnen am Verhalten der anderen Personen etwas nicht passt - dann sprechen Sie dieses an. Idealerweise haben Sie gute Gründe dafür und eine Alternative parat. Wenn Sie geschickt kommunzieren, haben Sie hier gute Chancen auf eine Veränderung.
  • Wenn Ihnen an der Meinung der anderen Person etwas nicht passt - dann versuchen Sie diese von Ihrer Position zu überzeugen. Einfach wird das oft nicht werden, aber Überzeugungsversuche sind legitim.
  • Wenn Ihnen jedoch an den Werten dieser Person etwas nicht passt (und das ist häufig der Fall, wenn jemand von ‚Einstellung‘ spricht) - dann haben Sie Pech gehabt. Diese sind ein Grundrecht. Die Aufforderung, dass andere Menschen einfach mal so ihre Werte verändern sollen ist ethisch mehr als bedenklich - und naiv obendrein. Stellen Sie sich vor, jemand würde das von Ihnen verlangen.

Kurz gefasst: Vergessen Sie das mit der Einstellung! Mit Ihrer eigenen und mit der anderer.
Werden Sie sich klar, was genau Sie wirklich wollen und meinen.
Ich verspreche Ihnen: Sobald Sie sich daran gewöhnt haben, werden Sie dem dämlichen Begriff keine Träne nachweinen - und Sie leisten einen wertvollen Beitrag für weniger Unfug auf der Welt.
Das können wir alle gut gebrauchen.

So, das war’s, was ich Ihnen mitteilen wollte.
Sollte ich dabei besonders oberlehrerhaft rübergekommen sein, dann sehen Sie es mir bitte nach.
Manchmal sind mir Dinge eben wichtig, da bin ich nicht immer so geschickt beim Formulieren.

Herzlichst,
Ihr Alex Rammlmair


P.S. Um die Frage aus der Überschrift aufzulösen: Keine Sorge, mit Ihrer Einstellung ist alles in Ordnung. Ganz sicher.
Was auch immer das bedeutet.

 

Übrigens:




photo credit: Thomas Leuthard (CC)

image Share image Tweet image +1 image Forward to Friend

 

Sun, 11 May 2014

#KOLUMNE #softskills #featured


Some days I feel like this.
(I’m referring to the female designer of course ;-)

 

Wed, 2 April 2014

#fun #! #featured #geek


Briefly stated, the Gell-Mann Amnesia effect is as follows. You open the newspaper to an article on some subject you know well. In Murray’s case, physics. In mine, show business. You read the article and see the journalist has absolutely no understanding of either the facts or the issues. Often, the article is so wrong it actually presents the story backward—reversing cause and effect. I call these the "wet streets cause rain" stories. Paper’s full of them.
In any case, you read with exasperation or amusement the multiple errors in a story, and then turn the page to national or international affairs, and read as if the rest of the newspaper was somehow more accurate about Palestine than the baloney you just read. You turn the page, and forget what you know.

Michael Crichton

 

Tue, 11 March 2014

#know-how #weiseworte #featured


Keine guten Vorsätze? Da verpassen Sie was!

 

Haben Sie sich Vorsätze für das Neue Jahr gemacht?

Nein? Schade, denn dann haben Sie eine gute Gelegenheit verpasst, etwas über sich selbst zu erfahren. 

Aber keine Sorge, Sie haben ja noch immer Zeit dazu.

Vorsätze - vor allem die alten Bekannten unter ihnen - zeigen Ihnen nämlich, was Ihnen wichtig ist.

Oder besser: was Ihnen eben nicht wichtig ist.

Denn alles, was Sie sich extra in einen Vorsatz verpacken, ist ihnen nicht wichtig. 

Vielleicht sollte ich das noch mal wiederholen: 

Ihre Neujahrsvorsätze (oder Aprilvorsätze/Geburtstagsvorsätze/40er-Vorsätze/…) sind Ihnen NICHT wichtig. 
Vielleicht oder wahrscheinlich glauben Sie, dass Ihnen diese Vorsätze ganz wichtig sind.

In Wahrheit reden Sie sich das nur ein.
Behaupte ich jetzt mal ganz frech.


Wenn Ihnen etwas wirklich wichtig ist, dann brauchen Sie keinen Vorsatz dazu. Sondern Sie wären schon lange drauf und dran, es zu ändern oder Sie hätten es vermutlich bereits erledigt.

Vorsätze benötigen Sie nicht für die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Sondern nur für die ‘Es-wäre-irgendwie-schon-wichtig’-Dinge. 
Für all jenes, wofür Sie letztendlich zu wenig Motivation haben, zu wenig Energie, zu wenig Konfliktbereitschaft - oder wofür der Preis eben doch zu hoch ist.
Für all jenes, das Ihnen eben gerade nicht mehr wichtig genug ist, um es zu tun - aber noch wünschenswert genug, um es auf die ‘Hätte-ich-auch-noch-gern’-Wunschliste zu setzen.

Bereits in der Idee ,Vorsatz‘ ist das Scheitern mit inbegriffen.
Vorsatz, das riecht nach Probieren, nach Versuchen, nach Abstrampeln, nach Es-sich-immer-wieder-einreden. Und nach schlechtem Gewissen.

Auf keinen Fall klingen Vorsätze nach Tun, nach Umsetzen, nach Durchziehen. Auch nicht nach Mut, nach Konfliktfähigkeit und nach Selbstvertrauen.

Tun Sie sich daher einen Gefallen und nehmen Sie ein paar Ihrer Lieblingsvorsätze, um Sie dann endgültig zu begraben. 

Nicht in der üblichen Art, sich von vornherein gar keine Vorsätze zu machen, weil man wahrscheinlich sowieso daran scheitern wird. Das ist doch billig.
Überlassen Sie das denen, die zu feige sind, reinen Tisch bei sich zu machen.  

Begraben Sie Ihre Vorsätze stattdessen so richtig. Fenster auf - raus damit.
Gestehen Sie sich zu, dass Sie es eben nicht wirklich genug wollen. Und basta. 
Das müssen Sie niemandem erklären. Das müssen Sie sich auch selbst nicht rationalisieren. 


Ach, das bringen Sie nicht übers Herz? 
So richtig, wirklich trennen wollen Sie sich von Ihrem niedlichen Vorsatz doch nicht?

Na, wenn Sie meinen. 

So ein gepflegter Vorsatz-Zombie hat schließlich auch was. Den kann man regelmäßig begraben und dann bei Bedarf wieder mal hervorholen.
In der Tat sehr praktisch als langfristige Beschäftigungstherapie. 
Habe ich mir früher auch gegönnt. 

Heute kann mir so etwas nicht mehr leisten.

Wie auch immer - ob mit oder ohne Vorsätze:
Ihnen Alles Gute im Neuen Jahr und Viel Erfolg!

Herzlichst, 

Ihr Alex Rammlmair

Übrigens:

Dieser Artikel ist ein Auszug aus meiner regelmäßigen E-Mail-Kolumne. Bisherige Artikel finden Sie hier: www.ax-xo.com/kolumne.



Bild von Jasmin Grey (CC):

 

Wed, 8 January 2014

#KOLUMNE #featured


Wenn die Tage kürzer werden

Vor einiger Zeit ist mein Großvater gestorben.

In hohem Alter, gesund und fit bis in die letzten Tage, nach einem langen und zufriedenen Lebensabend.

Was von ihm in mir am intensivsten weiterlebt, sind seine Geschichten.
Er hatte viele davon und er wurde nicht müde, sie immer und immer wieder zu erzählen.
Ich kann vermutlich jede davon längst auswendig und doch habe ich sie mir mehr als 40 Jahre lang immer wieder gerne angehört.

Die meisten der Geschichten handelten vom Krieg.
Russische Front, sibirisches Gefangenenlager, verpatze Heimkehr, Kälte, Hunger, Todesangst, Versagen - die ganze Palette.
Das Besondere war, dass mein Großvater in fast allen seinen Geschichten nie als besonders mutig oder verwegen rüber kam. Im Gegenteil:  Oft hätte man ihn als naiv abgestempelt, tölpelhaft gar, dazu abergläubisch, oft ungeschickt. Den Umständen gegenüber absolut machtlos und vor allem - vollkommen unspektakulär.

Das soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass für meinen Großvater in seinen Erzählungen eines immer klar war: Er war der Held der Geschichte. Und genau deswegen war er es auch für mich.

Und genau darin liegt wohl die große Lektion meines Großvaters:
Egal, wie ungerecht, verworren und abschätzig das Leben auch manchmal ist - am Ende des Tages sind Sie der Geschichtenerzähler.
Sie allein entscheiden, ob Sie Heldin oder Held in Ihren Geschichten sind - nicht Ihre großen Taten oder Erfolge und schon gar nicht die Umstände.

So entstehen die wahren, großartigen Geschichten Ihres Lebens.
Für diese werden Sie immer Zuhörer finden.
Und damit auch ein Stück Ewigkeit.

Ich wünsche Ihnen viel Energie für die Geschichten, an denen Sie gerade arbeiten.

Herzlichst, 

Ihr Alex Rammlmair

Übrigens:

  • Dies ist ein Auszug aus meiner monatlichen Kolumne. Zum Anmeldungen: hier!




Bild von Martin Heiß (Wikimedia Commons):

image Share image Tweet image +1 image Forward to Friend

 

Tue, 29 October 2013

#KOLUMNE #top #featured


Die Meisterschaft, die nur der Meister schafft

Die Meisterschaft, die nur der Meister schafft

Letztens in einer meiner Lieblingsbuchhandlungen fiel mir ein großer Buchständer ins Auge. 

"Alles, was Sie wissen müssen. Kompakt und zeitsparend", so das Versprechen. An die 40 verschiedene Themen waren dabei: Alles, was Sie über Führung wissen müssen. Und über Projektmanagement, Verhandlungsführung, Bewerbungsgespräche, Zeitmanagement, Moderation, Präsentationstechnik - kurz: über so ziemlich alles, was der Mann und die Frau von Welt im Berufs- und Privatleben so braucht.

Jeweils auf knappen 150 Seiten in einem ebenso knappen Format, kaum größer als meine Handfläche. Geschätzte 4-5 Stunden Lektüre für den geübten Leser und das Investment von 11,90 €.
Für alles, was man wissen muss.
Für die Meisterschaft in einer von vielen Klassen.

Wenn das mal kein attraktives Angebot ist.

Andererseits ist die Meisterschaft dadurch definiert, dass sie eben nur der Meister schafft.
Und nicht jedermann mit ein wenig Motivation, 5 Stunden Zeit und 12 Euro in der Tasche.

Realistischer scheint daher der folgende Weg und der damit verbundene Aufwand:

Sie verbringen 10 Stunden mit einem Thema: Sie haben vielleicht ein Einsteigerbuch im Schnelldurchgang durchgearbeitet, sich 1-2 Stunden im Internet schlau gemacht und weitere 1-2 Stunden mit jemandem über das Thema geredet, der sich auskennt. Wenn es sich um ein einfaches Thema handelt - beispielsweise um Birken, Hamster oder Sellerie - dann wissen Sie jetzt schon vermutlich mehr darüber als 98% der restlichen Bevölkerung (die anderen 2% wissen vermutlich 100 Mal so viel darüber wie Sie). Bei aufwändigeren Themen wie Zeitmanagement haben Sie einen Überblick über die wichtigsten Methoden und Ansätze, im Detail wissen Sie jedoch kaum Bescheid. Von praktischer Anwendung ganz zu schweigen. Bei umfangreichen Themen wie beispielsweise Wein oder Programmiersprachen sind 10 Stunden bestenfalls geeignet, um vollständig den Überblick zu verlieren und angesichts der sich auftuenden Komplexität gleich die Segel zu streichen. 

Kurz gesagt: Nach 10 Stunden haben Sie schon mal etwas vom Thema gehört und wissen, worum es im Großen und Ganzen geht.

Nach 100 Stunden: Sie haben jetzt beispielsweise ein Intensivtraining besucht, zwei der Bücherklassiker zum Thema gelesen und versuchen gerade, sich selbst eine Meinung zu bilden, indem Sie unterschiedliche Perspektiven gegeneinander abwiegen. Grundlegende Übungen und praktische Kenntnisse lassen sich bereits unterbringen. Nach 100 Stunden können Sie beispielsweise Metallstücke im Autogenschweissen recht passabel miteinander verbinden und Ihre Passphotos in Photoshop so verbessern, dass Sie sich bei der nächsten Passkontrolle nicht mehr schämen müssen. Selbst ohne vorhergehende Programmierkenntnisse können Sie jetzt vermutlich einfache Programme in einer benutzerfreundlichen Programmiersprache wie C# oder Java schreiben. Bei komplexen Themen wie Ethik oder Mitarbeiterführung haben Sie zu diesem Zeitpunkt vermutlich erkannt, woran es liegt, dass diese Themen so schwierig sind. Von Lösungen derartiger Probleme sind Sie meist noch weit entfernt. 

Kurz gesagt: Sie haben Erfahrung mit dem Thema.

Nach 1.000 Stunden: Sie haben jetzt fast ein Arbeitsjahr in Vollzeit oder sich drei Jahre nebenbei intensiv mit dem Thema befasst. Entweder haben Sie damit Ihre Passion gefunden oder Sie wollen Geld damit verdienen. Oder beides. Wenn es sich um ein spezialisiertes und begrenztes Thema handelt (z.B. die Weinrebsorte Müller-Thurgau) könnten Sie jetzt vermutlich schon eine Dissertation darüber schreiben. Bei breiten Themen haben Sie in 1000 Stunden bereits genügend Zeit, um praktische Erfahrungen zu machen, einiges auszuprobieren, mehrere Trainings zu besuchen und sich ausgiebig mit Gleichgesinnten über das Thema auseinander zu setzen. Und: Sie wissen jetzt, dass alles nicht so einfach ist. Aber auch nicht soooo kompliziert.

Kurz gesagt: Sie kennen sich aus.

Nach 10.000 Stunden: Entweder haben Sie sich jetzt 5 Jahre lang praktisch mit nichts anderem beschäftigt oder es handelt sich um eines der zentralen Themen in Ihrem Leben - und das schon seit Langem. Sie haben umfangreich experimentiert, sich vielseitig mit dem Thema auseinander gesetzt, sich immer wieder weitergebildet und haben das Thema auch in der Langzeitentwicklung beobachtet. Sie haben wahrscheinlich schon mehrmals Ihre Meinung zum Thema gewechselt, weil Sie immer wieder auf Neues gestoßen sind oder weil Sie mit dem Althergebrachten nicht mehr weitergekommen sind. Falls Sie auf ein Hype-Thema gesetzt haben, das zuerst sehr aktuell war und plötzlich niemanden mehr interessiert (z.B. Business Re-engineering) oder die Technologie plötzlich durch eine neuere ersetzt wird (z.B. MS-DOS), haben Sie Pech gehabt. Falls nicht, gehören sie jetzt zu den Experten, die durchaus auch Geld damit verdienen können. 

Kurz gesagt: Sie sind jetzt Meister Ihres Fachs.

Dazu will ich hinzufügen:

  • Das sind grobe Angaben, die natürlich abweichen können - aber die Größenordnung stimmt. Vor allem sollte damit klar werden, dass es sich einfach zeitlich in einem Leben nicht ausgeht, in mehr als 2-3 komplexen Themen wahrer Experte zu sein. Ausnahmeerscheinungen wie Leonardo da Vinci, Goethe oder John Stuart Mill, die in einer ganzen Reihe von Disziplinen Weltruhm erreicht haben, sind eben genau das: Ausnahmen. 
  • Manche Themen vertragen und benötigen mehr Auseinandersetzung als andere. Mit Philosophie können Sie problemlos ein Leben verbringen. Ob es hingegen Sinn macht, sich 10.000 Stunden mit Hühnereiern zu beschäftigen, sei dahingestellt. 
  • Besonderes Talent kann die Meisterschaft stark beschleunigen. 30% sind realistisch. Mit besonderem Talent meine ich besonderes Talent. Etwas, das nur wenige mitbringen. Interesse und ein ‘gutes Händchen’ helfen dabei, an einem Thema motiviert über Jahre dran zu bleiben. Sie sind aber kein signifikanter Katalysator auf dem Weg zur Meisterschaft. 
  • Gute Lehrer, Trainer, Coaches, Mentoren und Gesprächspartner können das Ganze ebenso sehr beschleunigen, oder überhaupt erst möglich machen. Leider sind diese meist schwer zu finden oder unleistbar. 
  • Das reine Sich-mit-etwas-Beschäftigen reicht nicht. Wenn Sie immer dasselbe in derselben Art und Weise mit derselben geistigen Haltung machen, dann hören die Lerneffekte spätestens nach 1-2 Jahren auf. Oder mit den Worten von Kurt Tucholsky: ‘Man kann etwas auch 30 Jahre falsch machen.’ 
  • Ein guter Indikator, dass Sie immer besser werden: Wenn Sie vor 2 Jahren dachten, Sie haben es voll drauf und sich heute wundern, wie Sie das damals nur so amateurhaft machen konnten. Jene hingegen, die glauben, sie sind jetzt dort, wo es nichts mehr zu verbessern gibt, sind mit Sicherheit noch nicht in der Meisterschaft angekommen.
  • Amateure können andere Amateure nicht von einem Meister unterscheiden. Daher fällt es uns Nicht-Medizinern auch schwer, gute Ärzte von weniger guten auseinander zu halten. Oder Finanzberater. Oder Softwareentwickler. Nur die Besten des Fachs werden zuverlässig die anderen Besten erkennen. Jene, die sich hingegen ‘nur’ gut auskennen, tun sich notorisch schwer damit - sind jedoch selbst davon überzeugt, dass Sie gute Urteile fällen können (weil Sie sich schon in der Meisterklasse wähnen). Ihnen fallen sicher einige Beispiele aus Ihrem Umfeld ein. Machen Sie es besser und fallen Sie nicht auf Ihr eigenes überzogenes Selbstbild rein. 
  • Vermutlich haben auch Sie bei irgendeinem Thema ‘Meister’-Status erreicht. Wenn Sie jedoch glauben, dass Sie es daneben in locker 10 weiteren komplexen Kategorien dazu bringen: Melden Sie sich bei mir. Ich habe gerne Genies in meinem Bekanntenkreis.
Übrigens:
  • Dieser Artikel ist ein Auszug aus meinem monatlichen Soft-Skill-Letter. Dieser kann hier direkt abonniert werden: Abo
  • Bisherige Soft-Skill-Letter zum Nachlesen: im Blog



Bild aus Wikimedia (Creative Commons)

 

Wed, 3 April 2013

#KOLUMNE #featured


What the British really mean, when they say …

 

Sun, 3 March 2013

#know-how #softskills #top #featured


This is so funny, it’s almost ridiculous.

 

Thu, 14 February 2013

#fun #featured #top


Alle Blog Beiträge

296 Seiten Profi-Tipps:
´IT-Verkaufsberatung in der Praxis´

Gratis e-Book!
´Das kleine grüne Buch gegen den täglichen Unfug´

KNOW-HOW
Artikel, Videos, Weisheiten und Linktipps für Geeks.
Zum Blog!

SOFTSKILLS
Meine monatliche
Kolumne
Aktuelle Ausgabe

SOFTSKILLS ein Mal pro Monat per E-Mail!
Gratis Bestellen!

Beliebte Blog-Tags:

#weiseworte
#tipp
#momente
#fun

#IT
#social science
#philosophie
#soft skills

#economy
#statistik
#people management
#polit-talk

#know-how